Einführungsrede Dr. Ekkehard Beck

Ausstellung "Zeitgleich / Zeitzeichen" Bundes-BBK  Oktober 2014

 

Bei Gudrun Schüler erleben wir eine enorm breite Palette malerischen Schaffens:
von altmeisterlicher Schichtenmalerei mit Themen, die ihr die Naturbetrachtung liefert, bis hin zur völligen Abstraktion, die dann reine Farbkompositionen bietet.
Bei den Naturbildern, speziell den Werken, die die mächtigen Bäume zeigen, ist das konkret Gegenständliche dem Betrachter so nahe, dass er sich an eigene Begegnungen mit diesem Baum zu erinnern glaubt.
So jedenfalls ging es mir bei dem Bild dort links an der Wand.
Gudrun Schüler meint dazu, ja, das könne sein, aber stärker gehe es ihr um Stimmungen.
Ihr selbst geht es beim Malen solcher Situationen darum, sich selbst wieder in die Stimmung zu versetzen, die sie an diesem – inzwischen gewissermaßen fiktiven – Ort empfunden hat.
So entsteht eine neue Stimmung, die die Erinnerung an die frühere in sich aufnimmt, eine vergangene Stimmung entsteht im Malprozess neu.
Diese Atmosphäre nimmt auch den Betrachter gefangen. Er versucht zu ergründen, welches Gefühl das Bild bei ihm auslöst und warum.

So arbeitet Gudrun Schüler an gegen die Schnelllebigkeit unserer Zeit. Auch das ist ein erklärtes Ziel ihrer Arbeit, wie sie mir in einem Gespräch erläutert hat.
Die Aufarbeitung von Erinnerungen und ein Kampf gegen Schnelllebigkeit sind ihre Art, sich mit Zeit, mit Werden und Vergehen zu beschäftigen.

Aber wie gelangt sie vom Gegenständlichen zur Abstraktion?
Ich denke, auch das entsteht durch ihre Art der Naturbetrachtung.
Hier führen sie Meer, Wasser, Wolken und Wellen unmerklich hinüber in die Abstraktion – schön zu erleben in dem hinteren Raum.
Die Natur bietet vielfältige abstrakte Farbkompositionen: Denken Sie an den azurblauen Himmel, pure Farbe, völlige Abstraktion, manchmal mit weißen Wolkentupfern.
Oder schauen Sie auf’s Meer: wenn Sie so wollen, ein ständig sich wandelndes Bild von Farbkompositionen, je nach Lichteinfall.
So können Sie auf dem einen Bild noch unschwer Meer und Strand ausmachen, beim nächsten ist schon die Abstraktion eingekehrt, die Stimmung bleibt aber die gleiche.
Gudrun Schüler erreicht das durch ihre aufwändige Schichtenmalerei: 10 bis 20 Schichten übereinander.
Sie beschreibt das so: „Farbschleier über Farbschleier, wie es die Natur letztendlich vormacht, erzeugen Transparenz, Licht und Tiefe.“


Dr. Ekkehard Beck